Viele Menschen denken, beim Journalismus gehe es vor allem ums Schreiben. Tatsächlich ist das oft der kleinste Teil der Arbeit. Der größte Teil passiert vorher: wenn ich recherchiere, Studien prüfe, Expert:innen suche und mich frage, was Leser:innen wirklich weiterbringt. Und manchmal auch danach, wenn ein Artikel vermeintlich schon fertig ist.

So gehe ich bei einem Gesundheitsartikel meistens vor:

1. Ein Thema finden

Mir geht es weniger darum, was auf den ersten Blick gut klickt, sondern was Leser:innen wirklich weiterhilft. Welche Fragen haben sie? Wo kommen sie selbst nicht weiter? Welche Aspekte bei einem Thema kommen zu kurz? Gibt es neue Erkenntnisse, Mythen, Unsicherheit? SEO spielt natürlich auch eine Rolle – aber erst später in der konkreten Planung

2. Studien sichten und prüfen

Meistens beginne ich auch erst einmal bei Google und lese mich weiter ein oder mache mir einen Überblick zu dem Thema in sozialen Netzwerken, wenn es aktuelle Trends gibt. Am wichtigsten sind für mich aber Studien und systematische Übersichtsarbeiten.

Was zeigt die Forschung wirklich? Ist das eine Einzelstudie oder gibt es mehr dazu? Wurde an Menschen oder im Labor geforscht? Handelt es sich um Korrelation oder echte Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge? Was lässt sich seriös belegen? Und wo sind die Grenzen?

3. Die richtigen Expert:innen finden

Klar kann ich zu dem Thema irgendeine Stimme finden. Irgendwen gibt es immer, der oder die gern etwas beitragen möchte. Aber passt die Person? Hat sie wirklich die passende Expertise? Forscht sie zu dem Thema? Oft hilft mein Netzwerk hier weiter, manchmal auch Google, und manchmal wende ich mich zu bestimmten Themen auch an Berufsverbände, wenn ich anders nicht weiterkomme.

4. Gegenchecken und einordnen

Nach dem Interview beginnt der nächste Schritt: Wie ist die Einschätzung der Person? Gibt es noch andere Perspektiven? Wird zu stark vereinfacht, fehlen wichtige Aspekte?

Manchmal merkt man erst später, dass es noch etwas fehlt und dem Text noch eine ergänzende Stimme guttun würde. Dann geht die Suche noch einmal von vorne los und ich drehe eine kleine Schleife.

5. Verständlich schreiben und sich hinterfragen

Ich glaube fast, dass dies der wichtigste Teil der Arbeit ist, die Menschen abzuholen, klar zu schreiben und einzuordnen. Fehlt einer dieser Bausteine, verliert ein Text schnell an Wert. Ein guter Gesundheitsartikel vermittelt nicht nur Wissen, sondern macht es verständlich, ohne es falsch zu machen.

Insofern geht es am Ende oft weniger um das konkrete Schreiben, sondern viel darum, zu denken, einzuordnen, zu prüfen und sich selbst und den eigenen Text später noch einmal kritisch zu hinterfragen. Genau deshalb ist guter Gesundheitsjournalismus für mich weit mehr, als Texte zu produzieren. Er bedeutet, Wissen zu prüfen, einzuordnen und so zu erklären, dass Menschen fundierte Entscheidungen treffen können. Ich schätze diese Arbeit wirklich sehr, weil sie Neugier, Struktur und Verantwortung miteinander verbindet.

Was macht also guten Gesundheitsjournalismus und Texte aus?

  • wissenschaftlich fundiert
  • verständlich geschrieben
  • transparent in der Einordnung von Studien
  • kritisch eingeordnet
  • frei von Übertreibungen
  • nah an den Fragen der Leser:innen

Ich bin freie Wissenschafts- und Gesundheitsjournalistin und schreibe unter anderem über Prävention, Ernährung, Training und chronische Erkrankungen.

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