Über das Schreiben, KI und die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten wollen.
Oder mal in den Raum gestellt: Bin ich eine Pferdekutsche?
Ich habe Sprache immer geliebt. Seit ich lesen konnte, habe ich Bücher inhaliert. Jede Woche bin ich mit einer großen Tasche in die Bibliothek gelaufen. Ich habe mir so viele Bücher ausgeliehen, wie ich nur tragen konnte. Es waren viele. Und ich habe sie alle gelesen.
Warum ich Sprache nie nur als Werkzeug gesehen habe
Im Studium habe ich nebenbei frei für Tageszeitungen gearbeitet. Ich habe es so geliebt! Was danach kam, war eigentlich nur logisch: ein Volontariat, eine unbefristete Stelle als Redakteurin. Aber auch: meine Kündigung, weil ich mir so sehr wünschte, meine Zeit wieder frei einteilen und meinen Tag selbst gestalten zu können.
Ich habe mir selbst Geschichten ausgedacht und sie mir Bleistift auf Tapetenrollen geschrieben. Rolle um Rolle um Rolle. Ich wusste immer, dass ich schreiben und mit Sprache arbeiten will, wenn ich groß bin.
Was KI gut kann – und was nicht
Das ist nun zehn Jahre her. Bereut habe ich diesen Schritt nie. Zuletzt frage ich mich aber schon, wo die Reise weiter hingeht. Entwertet KI die Arbeit an Texten? Oder kann sie uns bereichern? Ich sehe beide Seiten beim Schreiben mit KI. Sie kann mittelgute Texte schreiben, die in manchen Bereichen völlig ausreichen. Sie kann auch Werkzeug sein, um Texte besser zu machen. Ich nutze sie regelmäßig, um etwa den Rhythmus in einem Text zu überprüfen, um zu schauen, ob es Dopplungen gibt, ob ich raffen sollte.
Aber: Ich sehe keinen Wert darin, einen Text, der einen Mehrwert bieten soll, komplett von KI erstellen zu lassen. Das nimmt mir nicht nur als das, was ich am Schreiben so liebe (jeden Satz prüfen, jedes Wort hinterfragen, sich in den Schreibfluss reißen lassen), sondern schafft auch jede Menge lästige Arbeit.
KI als Sparringpartner, nicht als Abkürzung
Klar kann ich mir beim Schreiben mit KI eine Rohfassung von KI erstellen lassen und sie dann aufhübschen. Ich kenne aber wenig, was so lästig ist. Besser funktioniert für mich der andere Weg: Selbst eine Fassung schreiben und sie dann mit KI als Sparringpartner Satz für Satz durchgehen, um sie noch besser zu machen. Manche Änderungsvorschläge finde ich sinnvoll und übernehme sie, andere passe ich an, viele verwerfe ich auch.
Zurück zur Pferdekutsche: Als das Auto aufkam, geschah eine Disruption. Wir denken oft, dass wir Dinge einfach nur effektiver machen, sie verbessern können, um sie mit in die Zukunft zu nehmen. Die Pferdekutschen wurden aber nicht schneller, sondern die wurden gleich ganz vom Auto ersetzt und damit zum Nischenphänomen.
Was ich in die Zukunft mitnehmen will
Ich will keine Pferdekutsche sein. Ich will vorangehen, Trends und Entwicklungen im Blick haben, die Zukunft gestalten, statt von ihr mitgerissen zu werden. Ich bin aber auch kein Auto. Vielleicht geht es darum, etwas für sich zu entwickeln, was das Beste aus allen Welten vereint. Wo kann ich KI schlau nutzen? Was macht mein Menschsein aus? Wo bin ich besser als die KI? Was kann ich, was sie nicht macht?
Beim Texten ist das für mich das Gefühl für Sprache, was bislang auch die am besten trainierte KI mir nicht abnehmen kann. Sie unterscheidet einen Text von „ist okay“ und „wow, da hat mich beim Lesen richtig reingezogen und mich neugierig auf mehr zu dem Thema gemacht“. Und da sehe ich die Chance: richtig gut mit KI arbeiten, aber sie nicht ans Steuer lassen.